Pacing – strukturiert statt zufällig.
Fortbildung, Workshops und Selbstmanagement-Materialien zu Pacing und verhaltensbasiertem Fatigue-Management – für Behandelnde und Betroffene.
- Evidenzorientiert
- Praxisnah
- Interdisziplinär entwickelt
Ärzt:innen, Psychotherapeut:innen, Coaches und therapeutische Teams
Workshops und Fortbildungen zu strukturiertem Pacing – plus erprobte Materialien für die Arbeit mit Patient:innen mit Long Covid, ME/CFS und PAIS.
Zum Fortbildungsangebot für Ärzt:innen und Therapeut:innenMenschen mit Fatigue-Erkrankungen
Ein strukturiertes Selbst-Management-Programm ist im Aufbau: Schritt für Schritt zu einem stabileren Alltag – Medizin, Psychologie und Alltag zusammen gedacht.
Zum Selbstmanagement-Programm für BetroffeneWas ist Pacing?
Pacing bedeutet: Fatigue und andere Symptome durch eigenes Verhalten bestmöglich steuern, um den langfristigen Verlauf günstig zu beeinflussen. Statt das eigene Belastungsfenster immer wieder zu überschreiten, und den Rückschlag zu riskieren, richten Betroffene ihren Alltag an diesem Prinzip aus: erst stabilisieren, dann behutsam erweitern. So werden Tage vorhersehbarer und der Handlungsspielraum wächst Schritt für Schritt.
Pacing ist die zentrale Grundkompetenz im Umgang mit Fatigue: die wichtigste verhaltensbasierte, nicht-medikamentöse Maßnahme – in den Leitlinien(öffnet in neuem Tab) zu Long Covid, ME/CFS und anderen postakuten Infektionssyndromen (PAIS) fest verankert und auf weitere energielimitierende Erkrankungen übertragbar. Strukturiert vermittelt wird sie bislang jedoch selten.
Worum geht's dabei?
Im Zentrum steht die Vermeidung von Post-Exertioneller Malaise (PEM) – der oft verzögerten Verschlechterung nach zu viel Belastung. Dazu wird zunächst eine realistische Baseline ermittelt: das Aktivitätsniveau, das sich verlässlich durchhalten lässt, ohne einen Rückschlag auszulösen.
So durchbricht Pacing das typische Push-und-Crash-Muster – die Dynamik aus Überlastung an guten Tagen und Zusammenbrüchen danach. Statt sich am Tagesgefühl zu orientieren, wird Belastung bewusst innerhalb der eigenen Grenzen gehalten und erst behutsam erweitert, wenn Stabilität erreicht ist.
Was Pacing bewirkt
Was sich dadurch verändert
Weniger Überlastungsreaktionen
PEM-Episoden werden seltener und weniger schwer.
Vorhersehbare Tage
weniger Schwankungen, mehr Verlässlichkeit in der Planung.
Von der Abwärts- in die Aufwärtsspirale
statt schleichender Verschlechterung wird die Grundlage für Erholung geschaffen.
Kontrolle und Selbstwirksamkeit
die eigene Erkrankung wird lesbar und beeinflussbar statt unberechenbar.
Wachsender Handlungsspielraum
erst Stabilität, dann vorsichtige Erweiterung.
Noch Fragen?
Häufige Fragen
Was ist Fatigue?
Fatigue bezeichnet eine dauerhafte, übermäßige Erschöpfung, die sich durch Schlaf und Erholung nicht ausreichend ausgleichen lässt. Sie betrifft körperliche und geistige Energie gleichermaßen und ist keine eigenständige Erkrankung, sondern Symptom vieler Erkrankungen – etwa nach Infektionen (Long Covid, ME/CFS), bei Autoimmun- und chronisch-entzündlichen Erkrankungen, Multipler Sklerose oder im Rahmen von Krebserkrankungen. Fatigue ist etwas anderes als Alltagsmüdigkeit oder Burnout und keine psychische Erkrankung.
Was ist Pacing?
Pacing bedeutet: Fatigue und andere Symptome durch eigenes Verhalten bestmöglich steuern, um den langfristigen Verlauf günstig zu beeinflussen. Statt das eigene Belastungsfenster immer wieder zu überschreiten, und den Rückschlag zu riskieren, richten Betroffene ihren Alltag an diesem Prinzip aus: erst stabilisieren, dann behutsam erweitern. So werden Tage vorhersehbarer und der Handlungsspielraum wächst Schritt für Schritt.
Was ist PEM (Post-Exertionelle Malaise)?
PEM ist eine oft verzögert eintretende Verschlechterung der Symptome nach körperlicher, kognitiver oder emotionaler Belastung. Sie ist das Leitsymptom bei ME/CFS und häufig bei Long Covid. Pacing zielt darauf, PEM zu vermeiden.
Was bedeutet Baseline beim Pacing?
Die Baseline ist das Aktivitätsniveau, das sich verlässlich durchhalten lässt, ohne einen Rückschlag auszulösen. Sie ist nicht das Maximum, sondern das, was stabil wiederholbar ist. Erst wenn diese Stabilität erreicht ist, wird behutsam erweitert.
Was ist ein Push-und-Crash-Muster?
An guten Tagen wird viel nachgeholt („Push“), einige Stunden oder Tage später folgt der Einbruch („Crash“) – meist als PEM. Über Wochen entsteht daraus eine Abwärtsspirale: Die guten Tage werden seltener, die Grenzen enger. Pacing durchbricht dieses Muster, indem Belastung nicht am Tagesgefühl, sondern an der Baseline ausgerichtet wird.
Für welche Erkrankungen ist Pacing geeignet?
Pacing wird in Leitlinien für Long Covid, ME/CFS und andere postakute Infektionssyndrome empfohlen. Das Prinzip lässt sich auch auf andere energielimitierende Erkrankungen übertragen.
Was ist PAIS?
PAIS steht für „postakute Infektionssyndrome“ – anhaltende Beschwerden, die nach einer Infektion bestehen bleiben, obwohl der Erreger selbst überwunden ist. Dazu zählen Long Covid bzw. das Post-COVID-Syndrom, ME/CFS und ähnliche Zustände nach anderen Infektionen (z. B. Influenza oder Epstein-Barr-Virus). Typisch sind Fatigue, Belastungsintoleranz (PEM), kognitive Einschränkungen und Kreislaufbeschwerden. In Deutschland ist die Erforschung dieser Erkrankungen seit 2026 Schwerpunkt der Nationalen Dekade gegen postinfektiöse Erkrankungen.
Was ist die Nationale Dekade gegen postinfektiöse Erkrankungen?
Eine 2026 gestartete, auf zehn Jahre angelegte Initiative des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR). Sie bündelt Forschung zu Long Covid, ME/CFS und weiteren postinfektiösen Erkrankungen – von Grundlagen und Ursachen bis zu klinischen Studien und Versorgung – und ist mit rund 500 Millionen Euro ausgestattet. Ziel ist, Diagnostik und Behandlung dieser bislang unzureichend versorgten Erkrankungen zu verbessern. Mehr unter bmftr.bund.de(öffnet in neuem Tab)
Ist Pacing evidenzbasiert?
Pacing wird in nationalen und internationalen Leitlinien empfohlen, u. a. in der AWMF-Leitlinie Long/Post-COVID und der britischen NICE-Leitlinie zu ME/CFS (NG206). Die Evidenz stützt sich vor allem auf Beobachtungsdaten, systematische Patient:innenbefragungen und klinische Erfahrung; große randomisierte Studien zu strukturiertem Pacing fehlen bislang. Pacing gilt als sicher und wird als Standard empfohlen, weil schematische Belastungssteigerungen bei PEM zu Verschlechterungen führen können.
Ist Pacing dasselbe wie Aktivierungstherapie oder Graded Exercise?
Nein. Pacing orientiert sich an den aktuellen Grenzen und vermeidet Überlastung; eine schematische Steigerung nach festem Plan ist bei PEM nicht geeignet. Erweiterung erfolgt beim Pacing nur, sofern indiziert, und erst nach erreichter Stabilität.
Darf ich mit Fatigue Sport treiben oder trainieren?
Das hängt stark von der individuellen Situation ab. Klassische aktivitätssteigernde Programme sind bei Fatigue mit PEM oft zu viel und können Rückschläge auslösen. Das heißt nicht, dass Bewegung grundsätzlich schadet – Belastung und Erholung müssen bewusst geplant und aufeinander abgestimmt sein. Auch wenn eine Steigerung möglich ist, bleibt Pacing die Grundlage: erst eine stabile Baseline, dann behutsame, PEM-sensible Schritte. Bei Unsicherheit lohnt es sich, das Vorgehen mit den behandelnden Ärzt:innen oder Therapeut:innen abzustimmen.
Was bedeutet „Belastungsfenster“?
Das Belastungsfenster ist der Bereich, in dem Aktivität ohne Rückschlag möglich ist. Bei vielen Fatigue-Erkrankungen ist dieses Fenster nach Erkrankungsbeginn deutlich kleiner als zuvor – und es verändert sich mit der Zeit. Pacing hilft, das aktuelle Fenster zu erkennen, darin zu bleiben und es erst dann behutsam zu erweitern, wenn Stabilität erreicht ist.
Für wen ist pacing.de?
Für ärztliche und therapeutische Teams, die Pacing strukturiert vermitteln wollen, und für Betroffene, für die ein Selbstmanagement-Programm entsteht.

Wer dahinter steht
Dr. med. Thomas Lenzen
Arzt mit langjähriger Erfahrung in der Entwicklung digitaler Gesundheitsprogramme. Begleitet Menschen mit Fatigue-Erkrankungen in seiner eigenen Pacing-Sprechstunde und kennt Fatigue auch aus eigener Erfahrung. Entwickelt pacing.de gemeinsam mit Betroffenen und Fachpersonen.